Standard statt Custom Code: Neue Kompetenzen für moderne SAP-Berater

Der Umstieg auf S/4HANA ist ein Paradigmenwandel – der auch nicht vor den Kompetenzen von SAP-Beratern haltmacht. Während früher fast ausschließlich technisches Fachwissen gefragt war, sind heute ganz andere Fähigkeiten mit erfolgsentscheidend.

Ende 2027 läuft der Support für SAP R/3 und SAP ECC aus. Für das große, komplexe S/4HANA-Transformationsprojekt holt sich nahezu jedes Unternehmen externe SAP-Berater an die Seite. Deren Expertise und Erfahrung hat einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Umsetzung.

Doch die neuen Spielregeln der Cloud als Betriebsumgebung stellen alle Beteiligten vor ganz neue Herausforderungen – und mit der Technologie haben sich auch die Rolle und das Fähigkeitenprofil von SAP-Beratern fundamental geändert.

S/4HANA als Herzstück der digitalen Transformation

Das ERP-System bildet als „Herz und Hirn“ sämtliche geschäftsrelevanten Prozesse entlang der unternehmensweiten Wertschöpfungskette ab. Die früheren SAP-Lösungen waren auf einen On-Prem-Betrieb ausgelegt.

Interne und externe SAP-Experten konnten das System so anpassen, dass sie betriebsspezifische Prozesse abbilden konnten, die im Standard nicht vorgesehen waren. So wuchsen über Jahre ganz individuell ausgestaltete ERP-Systeme.

Dominic Franz, Vice President Functional Consulting bei Syntax: „Der Wechsel zu S/4HANA verändert nicht nur die IT, sondern auch die Rolle der SAP-Berater. Gefragt sind heute weniger Programmierkenntnisse, sondern vielmehr die Fähigkeit, Prozesse zu verstehen, Menschen mitzunehmen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Erfolgreich wird, wer Fachwissen mit Empathie und Kommunikation verbindet und die Transformation in klaren Schritten begleitet“
(Bildquelle; Syntax)

Und genau darin liegt die große Herausforderung beim Umstieg auf S/4HANA: Dieses ERP-System wurde als Cloud-native Lösung konzipiert. Der Betrieb auf einer Cloud-Plattform bedeutet jedoch ein hohes Maß an Standardisierung bei eingeschränktem Spielraum für individuelle Modifizierungen.

Die SAP-Berater von heute müssen ihre Kunden daher mit fundiertem Fachwissen über die „neue“ SAP-Welt bei jedem Schritt der Transformation begleiten – von der Planung über die Implementierung bis zum laufenden Betrieb.

Warum SAP-Berater heute andere Fähigkeiten brauchen

In der „alten“ SAP-Welt lag der Fokus von SAP-Beratern meist auf ihrer technischen Expertise, zum Beispiel programmierten sie Konnektoren oder spezielle, an den Kundenanforderungen ausgerichtete Anpassungen.

Ihre Kernkompetenz war, dass sie wussten, wie und an welchen Stellen das SAP-System erweiter- und/oder modifizierbar war. Doch mit der immer stärkeren Bedeutung der Cloud als hochstandardisierter Betriebsumgebung ändert sich auch Herangehensweise.

Früher passten die Berater das System per Customizing an die Kundenwünsche an. In der S/4HANA-Welt gibt der Cloud-Standard die Leitplanken vor, innerhalb derer Änderungen „Fit To Standard“ möglich sind.

Diese Entwicklung hat großen Einfluss auf das geforderte Kompetenzprofil, denn durch den kleiner gewordenen Spielraum für kundenspezifische Wünsche rückt die technische Expertise immer stärker in den Hintergrund – und neue Fähigkeiten in den Mittelpunkt.

Prozessberatung als Kernkompetenz

Auch wenn technische Expertise selbstverständlich nach wie vor das Fundament bildet, umfasst ein modernes Kompetenzprofil vor allem zwei essenzielle Fähigkeiten.

Zum einen liegt der Fokus wesentlich stärker auf Prozessberatung, denn eine der wichtigsten Herausforderungen für Unternehmen in der neuen S/4HANA-Welt ist die Adaption bestehender ERP-Abläufe für die neue, standardisierte Cloud-Umgebung.

Wer bei dieser komplexen Prozesstransformation kompetent unterstützten will, muss neben dem erforderlichen SAP-Fachwissen auch weitreichende Kenntnisse zu betriebswirtschaftlichen und branchenspezifischen Abläufen mitbringen.

Data streams connecting server racks to a glowing cloud symbolizing cloud computing

Beim professionellen Change Management sind Soft Skills gefragt. Etwa Empathie, offene Kommunikation und die Fähigkeit, potenzielle und existierende Konflikte zu vermeiden und zu lösen.
(Bildquelle: AI)

Das bedeutet auch, dass der regelmäßigen Präsenz beim Kunden eine immer wichtigere Rolle zukommt, denn sie ist Voraussetzung für eine direkte Prozessanalyse vor Ort. Letztlich kann nur so ein realistisches Bild der Ausgangslage entstehen, das im Anschluss mit der erarbeiteten Zielvorstellung abgeglichen werden muss.

Im Ergebnis zeigt sich dann, welche Anpassungen nötig und im Rahmen des Standards überhaupt möglich sind. Die Hauptaufgabe besteht also darin, Prozesse optimal zu transformieren, ohne negative Auswirkungen auf die allgemeine Geschäftstätigkeit in Kauf nehmen zu müssen.

Empathie und Kommunikation im Mittelpunkt

Der zweite Aspekt des modernen SAP-Beraterprofils umfasst die Beratung der Führungsebene hinsichtlich eines professionellen Change Managements. Denn der Transformationsbegriff bezieht sich nicht nur auf die Einführung einer neuen ERP-Lösung. S/4HANA soll als zentrales IT-System auch Ausgangspunkt für Modernisierung und zukunftsfähige, digitale Geschäfts- und Umsatzmodelle sein.

Damit das gelingt, ist es entscheidend, die Belegschaft von Anfang an bei jedem Schritt mitzunehmen. Denn eine ERP-Lösung kann noch so leistungsstark sein – wenn sie bei den Menschen, die sie täglich benutzen sollen, auf Ablehnung stößt, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Deswegen liegt eine der wesentlichen erforderlichen Kernkompetenzen eines modernen SAP-Beraters darin, S/4HANA-Projekte mit einem professionellen Change Management zu begleiten. An die Stelle hoch spezialisierten Technikwissens treten dann Soft Skills wie Empathie, offene und verständnisvolle Kommunikation und die Fähigkeit, potenzielle und real existierende Konflikte zu vermeiden und zu lösen.

Ein moderner SAP-Berater versteht sich nicht als externer, rein auf technische Details fixierter Sachexperte, sondern als aktiv gestaltender Teamplayer, der Vorbehalte innerhalb der Belegschaft identifiziert und adressiert.

Der Wechsel zu S/4HANA verändert nicht nur die IT, sondern auch die Rolle der SAP-Berater. Gefragt sind heute weniger Programmierkenntnisse, sondern vielmehr die Fähigkeit, Prozesse zu verstehen, Menschen mitzunehmen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Erfolgreich wird, wer Fachwissen mit Empathie und Kommunikation verbindet und die Transformation in klaren Schritten begleitet – von der Analyse bis zum gemeinsamen Wandel im Unternehmen.

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