„Wer Produktionssteuerung, Daten und Software nicht strategisch zusammenführt, riskiert seine Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Markus Wambach, Group COO bei MHP bei der Vorstellung des Industrie 4.0 Barometers.
„Unsere Daten zeigen klar: Während China und die USA ihre Produktion konsequent software- und datengetrieben transformieren, generiert die DACH-Region kein Momentum. Nur drei Prozent der Unternehmen hierzulande sind mit Software-Defined Manufacturing sehr vertraut – in China und Indien sind es 30 Prozent.“
Das Industrie 4.0 Barometer wird seit 2018 von der Management- und IT-Beratung MHP in Kooperation mit Prof. Dr. Johann Kranz von der Ludwig-Maximilians-Universität München herausgegeben. Die Ausgabe 2026 analysiert die Aussagen von 1.206 Personen aus Industrieunternehmen.
(Bildquelle: MHP)
Das Industrie 4.0 Barometer 2026 mache Erfolge sichtbar, decke aber auch Lücken in den abgefragten Themenbereichen auf. Dazu gehören Supply-Chain-Transparenz, Digitaler Zwilling, Künstliche Intelligenz und Software-Defined Manufacturing.
„Weltweit steigt der Digitalisierungsgrad in der Industrie, auch Europa kommt voran“, erklärt Johann Kranz, Professor für Digital Services und Sustainability an der LMU München. „Doch im Ländervergleich setzen USA und China digitale Produktionstechnologien schneller, integrierter und skalierbarer um. Auch Indien und Mexiko zeigen teilweise bessere Ergebnisse.“
Ursachen für die stockende Transformation
Wenn die digitale Transformation gebremst wird, dann meist durch technische Schulden. Heterogene Altsysteme, fragmentierte Datenlandschaften und begrenzte Interoperabilität erschweren die Einführung neuer Technologien.
„Das größte Hinderniss ist die über Jahrzehnte gewachsene IT mit vielen Datensilos und nicht kompatiblen Systemen. Dies wird in unterschiedlichem Tempo überwunden“, so Kranz weiter.
Besonders bemerkenswert sei diese Differenzen bei digitalen Zwillingen. Der Barometerwert für den Einsatz in Werken und Maschinen steigt von 54 Prozent auf aktuell 62 Prozent, im Anwendungsbereich Logistik von 61 auf 67 Prozent. Damit etabliert sich der digitale Zwilling schneller als jede andere der abgefragten Technologien.
MHP und LMU München veröffentlichen die achte Auflage des Industrie 4.0 Barometers.
(Bildquelle: MHP)
Beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Produktionsumfeld stehen China und die USA an der Spitze. Bei partiellem oder vollständigem KI-Einsatz liegen die chinesischen Teilnehmer mit 71 Prozent vorn, gefolgt von Indien mit 61 Prozent und den USA mit 57 Prozent – in der DACH-Region sind es lediglich 37 Prozent.
Kostenoptimierung verhindert Zukunftstechnologie
Die Mehrheit der Befragten erwarten in den kommenden Jahren erhebliche Umbrüche. 31 Prozent gehen fest davon aus, dass sich ihre Branche grundlegend verändert, und weitere 51 Prozent halten es für wahrscheinlich. In Indien sind 44 Prozent der Befragten überzeugt, dass softwaregesteuerte Ansätze ihre Branche umgestalten, während in der DACH-Region der Anteil lediglich bei 17 Prozent liegt.
„Die DACH-Region fokussiert sich stark auf Effizienz und Kostenoptimierung, wodurch strategisches Potenzial für Wachstum, Flexibilität und Innovation häufig ungenutzt bleibt“, kommentiert Prof. Dr. Christina S. Reich von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management.
„Derweil verfolgen Indien, China und Mexiko differenziertere strategische Ziele. So setzt beispielsweise Indien aufgrund der historischen Wettbewerbsposition und des globalen Drucks gezielt auf Qualitätssteigerung, um internationale Standards zu erfüllen und neue Märkte zu erschließen.“




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